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Da guckste in die Röhre!

13.02.2012, 12:29 von Daniel || (Kommentare: 0) || Mit anderen teilen

Neulich beim zappen wurde ich wieder daran erinnert, wie arm unsere Medienlandschaft inzwischen ist. Zwischen Promi-News, Dschungelcamp, RTL Punkt 12 und dem perfekten Model scheint kein Platz mehr zu sein für Formate, die sich mit dem Netz beschäftigen.

Früher(tm)?

Warum aber ist das so? Ich erinnere mich noch gerne an Zeiten, in denen es Sendungen gab, die sich mit Computern, der Technik oder dem Internet beschäftigten. Mit dem c't Magazin und "neues" starben letztes Jahr gleich zwei Formate zum Thema.

Auch zu früheren Zeiten war die digitale Entwicklung eher nur Nische. Sendungen wie der WDR Computer Club oder das c't Magazin waren rar und behandelten oftmals nur Hard- und Software. Dennoch schaute ich beide Sendungen sehr gern. Die Themen waren interessant und vermittelten nie den Eindruck, eine Art Verkaufsshow zu sein.

Und dann gab es da noch "neues". Die Sendung startete als eine Art Service-Format, entwickelte sich aber im Laufe der Zeit mehr zu einem Magazin, in dem nicht selten darüber philosophiert wurde, welche Entwicklungen welche Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft haben könnte. Ich entdeckte die Sendung erst nach einigen Jahren Laufzeit, behielt sie ab dann aber immer im Hinterkopf. Durch die zahlreichen Reportagen konnte man einen Blick über den eigenen Tellerrand werfen. Prädikat: Extrem wertvoll!

Und heute?

Was ist passiert? Gibt es heute noch vergleichbares? Jain! Mit den Pixelmachern existiert ein ähnliches Format wie "neues". Aber es ist noch mehr in den Hintergrund gerückt, läuft auf ZDFkultur und 3sat zu unmöglichen Zeiten. Entgegen dem allgemeinen Tenor, das Fernsehen sei tot, gucke ich immer noch recht gerne fern. Ich mag es, unbedarft zu zappen und Sendungen zu finden, die Nützliches, Informationelles oder beides beinhalten. Das ist meine Art der Berieselung.

Darüber hinaus habe ich mehr und mehr den Eindruck, die Sendeanstalten nehmen das Medium Internet als etwas Fremdes wahr. Gerade im Hinblick auf die aktuelle politische Großwetterlage, in der das Web 2.0 mit seiner "Gratiskultur" von vielen konservativen Politikern als Feindbild angesehen wird, wird immer öfter von der "Netzgemeinde" im Sinne von "denen" gesprochen.

Dabei frage ich mich jedes mal, wen die Politiker oder Moderatoren mit "denen" meinen? Mich etwa? Zum Glück fühle ich mich nicht angesprochen. Das Internet ist doch nach fast zwei Jahrzehnten etwas allgegenwärtiges, ja natürliches geworden. Es ist da. Wie ein Auto. Man benutzt es, wenn man es braucht oder einfach Lust drauf hat. Ich weiß, der Vergleich hinkt wie ein lahmes Bein. Aber so ist es nun einmal.

Von den privaten Sendern kam bis heute kein einziges Format in dieser Richtung. Suche ich in der Programmvorschau nach dem Stichwort Internet, bekomme ich Treffer wie "Sehnsuchtsfalle Internet". Ähm ja...

Und was ist aus dem viel gelobten Versprechen der Verschmelzung von klassischem Fernsehen und dem Internet geworden? Bisher nicht viel. Woran liegt's? Keine Lust mehr? Lediglich das ZDF versucht sich mit der Talkshow ZDFlogin daran. Vor, während und nach der Sendung wird fleißig getwittert. Alle paar Minuten kommt ein Tweet aus der laufenden Sendung. Die Zuschauer werden direkt eingebunden. Davon könnte es mehr geben. Twitter & Co. sind schließlich keine Einbahnstraßen und erst Recht kein verlängerter Arm eines Presseverteilers.

Bleibt zum Schluß wieder die Frage: Tja, und heute? Da guckste in die Röhre!

Bildquelle: Remote control von Egahen von sxc.hu

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Daniel Erlinger, als selbstständiger Webdesigner über die Themen Webdesign, Contao, Shopsysteme, Kreatives, Neues und alles, was sonst noch dazu passt.

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